Start it up - Einführungsveranstaltung an der TU München

Bereits bei meiner Einschreibung wurde mir mitgeteilt das es Mitte September eine Einführungsveranstaltung an der TU München geben würde. Die Einladung sollte per Email kommen und ich sollte mir die Zeit dafür nehmen.

 

Natürlich hatte ich mit meinem Tatendrang und der inneren Unruhe bereits Tage vorher aller Welt davon erzählt das es endlich losgeht. (Sorry an dieser Stelle, falls mein immer wiederkehrendes Gerede jemanden genervt hat ;))) )

 

Mit dem Gefühl endlich etwas tun zu können und einem Hauch von "es geht endlich los" ging ich also am 14.09. das erste Mal in meinem Leben in eine Universität. Für alle die sich jetzt wundern, ja ich habe tatsächlich vorher nie eine Uni betreten. Wieso auch?

Das ist jetzt drei Tage her... und sorry, aber da hatte ich mir mehr versprochen.

 

Ich stehe also am Donnerstag pünktlich um 16.45 Uhr vor der Uni. Einlass in den Hörsaal sollte um 17 Uhr sein.

Unmittelbar vor dem Hörsaal befindet sich ein kleiner Raum in dem, als ich eintreffe bereits etwa ein dutzend Leute stehen. Ich schien wohl eher früh dran zu sein. Zusammen mit einer schüchtern lächelnden Dame an meiner Seite stand ich am Fenster und wartete. Ich nutzte natürlich wieder einmal die Gelegenheit und postete meine Aufregung bei Facebook. Normalerweise poste ich ja nicht alles. Aber das hier, so dachte ich verdient der Würdigung.

 

2 Minuten vor 17 Uhr betraten zwei etwas hektisch aussehende Damen den kleinen Vorraum. Eine von ihnen kannte ich bereits aus dem Regionalzentrum eine Straße weiter. Sie verteilten blaue Taschen mit den vielsagenden Worten "es gibt Geschenke". Wenn ich in der Arbeit Geschenke an meine Mitarbeiter verteile sind diese Taschen in der Regel recht voll. In dieser Tasche befand sich ein A5 Block mit ca. 15 Blättern, ein Kuli, diverse Flyer der Uni (welche ich bereits in mehrfacher Ausführung besaß) und tataaaaaaaaa... Studentenfutter. Nein, ich mache keine Witze ;)

... naja, der gute Wille zählt. Und wegen der Geschenke fange ich ja auch nicht an zu studieren.

 

Dann gingen die Türen zum Hörsaal auf und die wartenden Menschen, inzwischen war der Vorraum mit einer beachtlichen Menge eben dieser gefüllt, strömten in das Dunkel dahinter.

Wenn ich könnte würde ich euch jetzt einen Trommelwirbel vorspielen, aber leider ... ;)

Ich stehe in der Tür und betrete den Hörsaal. Urrrrgggsss ... eine Mischung aus heruntergekommender, verlassener Baustelle und Kino der 70 Jahre. Alt, abgewetzt und eng. Diese Holzreihen sind so dermaßen eng. Gut ich bin jetzt auch nicht gerade mit Modelmaßen gesegnet, aber den Sitz runterklappen und sich hinsetzen war schon eine Aufgabe. Kaum saß ich stellte ich fest das diese unbequemen Sitze noch dazu so niedrig waren das ich nicht einmal ordentlich sitzen konnte. Also bequeme Lernumgebung geht anders. Sei es drum. Ich quetschte mich also auf eines dieser Holzdinger und warte.

 

17.05 Uhr.

Noch 25 Minuten bis die Veranstaltung losgeht. Der Beamer zeigt das Logo der Fernuni und den Verweis darauf das diese Veranstaltung nicht aufgezeichnet werden darf.

(Wobei mir grade wieder einfällt. Sollte jemand auf die Idee kommen Vorlesungen aufzeichnen zu wollen, dass ist nur mit Erlaubnis des Prof. erlaubt.)

Der Hörsaal füllte sich allmählich mit allerlei Menschen der unterschiedlichstens Altergruppen, Nationalitäten und Schichten. Unten standen erneut die beiden Damen und eine gelangweilt aussehende dritte Frau. In der ersten Bank nahmen vier Herren Platz die verdächtig nach Proffessoren aussahen und unterhielten sich angeregt.

 

17.15 Uhr

Neben mir nahm ein älterer Herr, mit Hosen die vor Dreck selber laufen konnten, Platz. Gott sei Dank mit mehreren Sitzen Abstand so das ich nicht herausfinden musste ob der glasige Blick vom Alkohol oder etwas anderem kam.

Es konnte nur besser werden.

 

 

 

 

 

Pünktlich 17.30 Uhr wurde es leise im Hörsaal.

Die etwas gelangweilt aussehende Dame begrüßte uns und stellte uns die Fernuni Hagen vor. Nicht besonders herausragende 10 Minuten, von denen mir ehrlich gesagt auch kaum etwas im Gedächtnis geblieben ist.

 

17.40 Uhr

Diesmal wird uns unsere Studienberatein vorgestellt. Es wird interessanter. Ich nehme tatsächlich Block und Stift und beginne ein paar Kleinigkeiten aufzuschreiben. (Entnervt stelle ich fest, das der Stift auch noch schlecht schreibt).

Sie erzählte uns wozu sie da ist und das wir jederzeit auf sie zugehen könnten. Und wiederholt noch einmal den Ablauf der ersten Schritte nach dem Erhalt der Studienhefte. Ich musste gähnen... Nein, ich bin kein negativer Mensch, aber ehrlich. Das war langweilig. Meine Gedanken schweiften ab als erneut die Rednerin wechselte. Und nun war ich tatsächlich wieder dabei. Es ging um das Thema Studierenden Vertretung oder Studierenden Ausschuss. Eine Gruppe aus Studenten welche sich der Vertretung der Interessen der Kommolitonen verschrieben haben. Es ging über diverse Veranstaltungen bis hin zu einem gewählten Rat etc.

Ich will euch damit nicht weiter langweilen. Wer mehr darüber wissen möchte befrage den großen Google ;)

 

So verstrich die Zeit mit diversen Redner bis ca. 18.10 Uhr.

Nun wurden wir nach Fakultäten aufgeteilt und sollten den Hörsaal wechseln. 18.30 Uhr sollte es im neuen Hörsaal weitergehen. 10 Minuten vor der Zeit waren die Damen mit ihren Ausführungen endlich am Schluss angelangt. Wir drängelten uns also erneut durch die engen Holzgänge um zu einem der Ausgänge zu gelangen und die genannten Hörsääle zu suchen.

Ich weiß nicht ob schon einmal jemand von euch an der TU München war, besonders in einer Zeit in der scheinbar überall renoviert wird. (hoffentlich war der besagte Hörsaal auch mal dran)

Die Gänge und Wege sind sehr verwirrend. Irgendwie sieht alles gleich aus.

Meinen Kommolitonen ging es wohl ebenso, denn die meisten bleiben orientierungslos vor dem Hörsaal stehen und warteten. Keine Ahnung worauf, ehrlich. Da bin ich überfragt.

Ich ging zum Plan und wollte mir eben einen Überblick verschaffen als es von irgendwoher rief. "Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsinformatik, hier lang".

Dankbar folgten wir der Stimme. Nach gefüllten 20 Minuten durch weiße Gänge kamen wir vor einem neuen Hörsaal an und ich ahnte schlimmes. Aber, Halleluja. Dieser Hörsaal war neuer, schöner, auf den ersten Blick nicht so eng und nicht mit einem Jahrhunderte alten Theater verwechselbar. Aber es täuschte, es war genauso eng.

Ich suchte mir also erneut einen Platz, diesmal zwischen 2 befreundet aussehenden Jungs und einem Mann der irgendwie unentwegt aß.

Beim runterklappen des Tisches entfuhr mir ein verzweifeltes "schon wieder so eng" und die Jungs neben mir begannen zu grinsen. "Warum ist das denn alles so eng?" Ich versuchte es ohne den Tisch, aber das machte die Stühle auch nicht bequemer.

Ich spekuliere jetzt einfach mal wild drauf los... dürfen es Studenten nicht bequem haben, damit sie nicht einschlafen?

Während ich mich noch verzweifelt bemühte mich irgendwie bequem hinzusetzen kam ein Mann mittleren Alters in den Hörsaal, bat um Ruhe und stellte sich dann als einer der Proffessoren der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften vor.

 

An dieser Stelle kürze ich meine Ausführungen ein wenig ab, denn ab da wurde es wirklich langweilig.

Bereits als er erwähnte das er uns den Ablauf des Studiums und unsere Fakultät anhand der Internetseite vorstellen würde schwante mir übles. Man erinnert sich, ich verbrachte viele Stunden auf besagter Webseite.

Mit aufgesetztem Wortwitz und schier einschläfernder Stimme begann er die Internetseite der Fakultät incl. Studiumsablauf in allen Einzelheiten durchzuexserzieren.

Über Einsendeaufgaben, Klausurabläufe bis hin zum verwendbarem Material in Prüfungen lies er nichts aus.

Ich empfehle jedem der sich mit einem Fernstudium beschäftigt sich ausgiebig auf der entsprechenden Internetseite schlau zu machen, dann könnt ihr euch in solch eine Veranstaltung ein gutes Buch mitnehmen ;))

Leider hatte ich eben dieses nicht dabei und war daher uneingeschränkt den, manchmal etwas irritierenden Fragen meiner Kommolitonen hoffnungslos ausgesetzt.

 

Als Beispiel: Als wir den Hörsaal betraten stand an der Tafel, dass hier eine Klausur in Finanzwirtschaft stattgefunden hatte, und daneben standen 3 Taschenrechnermodelle.

Als wir nun zum Thema Hilfsmittel in Klausuren kamen und uns anhand der Internetseite bzw. des dort herunterladbaren Infoheftes gezeigt wurde welche Hilfsmittel wir verwenden durften, wurde die Frage gestellt ob man denn auch den Nachfolger des genannten Taschenrechners verwenden dürfe.

Wohlwollend registrierte ich das der halbe Hörsaal im Chor antwortete "einfach mal lesen"!

Denn der Beamer warf es groß an die Wand, "NEIN".

 

Nachdem wir uns eine gefühlte Ewigkeit durch Fragen wie diese gekämpft hatten, begannen die ersten aufzustehen und den Raum zu verlassen. Es war 19.30 Uhr.

Innerlich mit mir kämpfend wie lange ich diese Show noch durchhalten würde, schaute ich den Gehenden neidisch hinterher. Verpasse ich etwas? Was kann er noch erzählen das ich nicht weiß? Schicksalsergeben sah ich dem ticken der Uhr an der Wand zu. Klappte den Tisch hoch und wieder runter, rutschte auf meine Stuhl hin und her.

Neben mir stopfte der ebenso gelangweilt guckende Kollege ein Wurstbrot hin sich hinein und grummelte zwischendrin etwas unverständliches über Dummheit der Menschen.

Wir kamen erneut zu den Einsendeaufgaben. Um zu einer Prüfung zugelassen zu werden musst du 50 % der Einsendeaufgaben bestehen. Information der Internetseite und in diesem Moment des Beamers.

Frage aus dem Publikum, wenn es mehr als 2 Einsendeaufgaben sind (im ersten Semstern pro Modul je eine), sagen wir 4, wieviele müssen dann bestanden werden? Jaaaaaa, ich scherze nicht. Ich spare mir hier aber die Antwort ;)

 

Neben den Einsendeaufgaben (EA) stand nun allerdings noch eine andere Abkürzung (SA) und von den beiden Jungs neben mir kam die Frage was das denn wäre. Vorlaut wie ich manchmal bin murmelte ich Seminararbeit. Und lag prompt falsch. Meine beiden Nachbarn hatten mich allerdings verstanden und erwiderten nur schnippisch, "war ja mal falsch".

Was soll ich sagen, ich grinste, sagte "Ja war dann wohl falsch, kommt vor" und versank wieder in meiner Lethargie.

 

19.58 Uhr ca.

Wieder standen diverse Leute auf und verliesen den Hörsaal. Diesmal jedoch schien es dem Prof. zu reichen. Er begegnete dem Schwund im Hörsaal mit dem Witz "Da wir anscheinend die ersten Auflösungserscheinungen haben, gebe ich jetzt allen die gehen wollen die Gelegenheit zu gehen". Noch während er den Satz sagte stand der halbe Hörsaal auf.

In Gedanken ging ich die Themen durch die, nach Wahrscheinlichkeit geordnet, noch dran kommen konnten.

Seminar - erst in 3 Jahren relevant, Bachelorarbeit - erst in 4 Jahren relevant, Lerngruppen - uninteressant.

Ich stand auf ....

 

"Das hier geht noch etwa 20 Minuten, aber sie können gern gehen. Nur dann gehen sie jetzt" wieder standen mehrere Menschen auf. "Ich wünsche ihnen das Durchhaltevermögen für ihr Studium und bla bla bla.... " Die Tür schlug hinter mir zu. Durchhaltevermögen?

 

Zugegebenermaßen nagte ein klein wenig schlechtes Gewissen an mir und die Angst doch etwas wichtiges verpasst zu haben, aber ich kämpfe sie nieder. Um 20.15. Uhr verlies ich die Uni um eine Erfahrung reicher.

 

Und:

Ich wünsche mir die Fähigkeit Zeitfresser von gewinnbringenden Tätigkeiten unterscheiden zu können.